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Die Anfänge der Kleingärten

von F.R. | 22.Februar 2018

von Dr. E. Volkmann, Quelle: „Märkische Volksstimme“ vom 04. März 1989;
Fotos: de.wikipedia.org/wiki/Moritz_Schreber  und de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Damaschke

Laubenkolonien – Ausweg aus dem Mietskasernenelend

Die Anfänge der Kleingartenbewegung liegen bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (1833 erste Berliner „Armengärten“), eng verknüpft mit der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, ihrem Mietskasernenelend, das „Laubenkolonien“ wie Pilze aus dem Boden schießen ließ. Zu den Förderern der Kleingartenbewegung gehörten vor allem der Leipziger Arzt Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808 bis 1861) und später der Berliner Lehrer Adolf Damaschke.

Moritz Schreber
Moritz Schreber 1808-1861
Adolf Damaschke
Adolf Damaschke 1865-1935
Erste Parzellen am Hinzenberg

Auch in Potsdam entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts Kleingärten („Schrebergarten“). 1902 gab es die ersten Parzellen auf dem Hinzenberg. 1905 folgten weitere auf dem Kiewitt und am Bahnhof Charlottenhof, 1909 auf der Freundschaftsinsel. Jede „Laubenkolonie“ gründete ihren eigenen Verein, um sich besser gegen willkürliche Übergriffe der Eigentümer des gepachteten Landes zur Wehr setzen zu können. Der Pachtvertrag wurde jeweils nur für ein Jahr abgeschlossen. Erst in der Weimarer Republik erließ man Gesetze, die den Kleingärtnern einen gewissen Schutz boten. Sie wurden allerdings in der Praxis häufig umgangen. Nicht zuletzt diese negative Erfahrung veranlasste die Potsdamer Kleingartenvereine, sich 1925 dem zentralen „Verein der Gartenfreunde“ anzuschließen.

Das Verhalten des Magistrats der Stadt Potsdam gegenüber den Kleingärtnern war recht widersprüchlich. Er betrachtete jedes noch freie Stück Land in erster Linie als Baulandreserve für vermögende Neuansiedler. Erst in schwierigen politischen und ökonomischen Zeiten besann man sich darauf, dass mit der Anlage derartiger Parzellen die Lebensmittelversorgung der notleidenden Bevölkerung verbessert und partiell sogar gelöst werden konnten. So entstanden die Gartenanlagen „Frohsinn“ und „Waldwiese“ auf dem Tornow. In der Inflationszeit um 1922/1923, wurde am Pfingstberg (Verein „Pfingstberg“) Gelände für Kleingärten vergeben. Nach 1924 entwickelten sich vor dem Brandenburger Tor die Vereine „Brandenburger Vorstadt“, „Birnbaumenden“ und „Am Wildpark“.

1927 bildete sich dann das „Ortskartell (später Ortsverband) der Kleingartenvereine Potsdam und Umgebung“, dem sich in den folgenden Jahren die meisten Vereine anschlossen. Das vordringliche Ziel dieser Vereinigung war die Schaffung einheitlicher Dauerpachtverhältnisse in der Stadt. Wie notwendig ein derartiger Kampf war, zeigten z. B. die recht hohen Pachtsätze. Um 1931 lagen im Regierungsbezirk die Pachtsummen bei 1 bis 5 Pfennig pro Quadratmeter. In Potsdam selbst dagegen musste ein Pächter auf städtischen Land (75 Prozent der Gärten) bis zu 23 Pfennig pro Quadratmeter zahlen. Fast nur gut bezahlte Facharbeiter, Meister, Beamte oder Selbstständige konnten es sich leisten, Gärten zu übernehmen.

Pachtbedingungen 1932

Der Unruhe unter den Kleingärtnern, die durch die zahlreichen Kündigungen von Pachtverträgen in den Vorstädten (Wohnungsbau) entstanden war, und der insgesamt gewachsenen Nachfrage nach Gärten versuchte der Magistrat durch Bereitstellung von Gartenland am Rande der Stadt entgegenzukommen. 1932 entstand so der Verein „Unverzagt“ in der Brandenburger Vorstadt, 1934 wurden dort der „Krähenbusch“ und das Gelände an der Zeppelinstraße in Kleingärten verwandelt.

In der Zeit des Faschismus sahen sich die Potsdamer Kleingartenvereine einem erheblichen Druck ausgesetzt. Der Nazioberbürgermeister Friedrichs versuchte, sie vom Tornow und vom Hinzenberg zu vertreiben. Auf der Freundschaftsinsel gelang ihm das auch zwischen 1934 und 1938 vollständig.

Typenlauben (15 Quadratmeter) wurden in Potsdams erster „Dauerkolonie“ „Bergauf“ am Pfingstberg (1935) errichtet. Im gleichen Jahr entstand die Kolonie „Sternschanze“ an der Michendorfer Chaussee, ein Jahr später folgten dann „Am Nuthestrand“ und „Kleiner Exerzierplatz“ (hinter der Siedlung Kolonie Daheim) und 1938 die Daueranlage „Waldwiese“ (Tornow). Ein Beispiel einer „Dauerkolonie“ ist die Siedlung „Eigenheim“. Auf Initiative des kleinbürgerlichen Sozial- und Bodenreformers Adolf Damaschke (1865 bis 1935), hatten sich Potsdamer Anhänger dieser Bewegung nach dem ersten Weltkrieg um Land bemüht. Vor dem Krieg gab es Bestrebungen des Magistrats, eine landwirtschaftliche Hochschule in der Stadt anzusiedeln. Für dieses Projekt hatte man 160 Morgen Land (entspricht 400.000 Quadratmeter) in der Teltower Vorstadt bereitgestellt. Da dieses Vorhaben nicht realisiert wurde, erhielt schließlich der Bodenreformverein dieses Gelände. In der Zeit härtester Inflation (1922) wurde die Fläche in 275 Parzellen aufgeteilt, auf denen sich dann die neuen Besitzer ein Haus nach ihren Vorstellungen und je nach Geldbeutel errichten konnten. Nicht allen gerieten ihr Pläne.

Produktiv und erholsam

Die Bezeichnung „Damaschkeweg“, „Damaschkebank“ und „Damaschkelinde“ erinnern an den Mann, der „Familiengärten“ für die sozial schwächere Bevölkerung schaffen wollte. Teil des Erbes, dem sich heute der Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK)* stellt, der in Potsdam 9190** Mitglieder zählt. Kleingärten heute sind Stätten produktiver Freizeitgestaltung und der Erholung.

 

*seit 01.01.1991: Kreisverband Potsdam der Garten- und Siedlerfreunde e.V.
**Stand März 1989

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