Politischer Frühshoppen zeigt für viele Probleme Lösungen auf
Zum Abschluss unserer 100-jährigen Geburtstagsfeier veranstalte der Pfingstberg e.V. am Sonntag, dem 25. Juni einen politischen Frühschoppen und lud dazu Vertreter der Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung Potsdam ein. Der Einladung folgten Saskia Hüneke (Fraktionsvorsitzende der Grünen), Tina Lange (Fraktion Sozial. Die Linke Potsdam), Pete Heuer (Fraktionsvorsitzender der SPD) und Dr. Wieland Niekisch (Vorsitzender der Fraktion Mitten in Potsdam). Vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz nahm Frau Martina Otto an der Diskussion teil. Der Pfingstberg e.V. wurde durch unseren Vorsitzenden, Udo Weberchen, vertreten.

Zuerst stand die Zukunft der Kleingärten in Potsdam im Mittelpunkt der Diskussion. Herr Weberchen verwies auf die Antragsflut von Interessenten. Nach der einhundertsten Anmeldung musste der Pfingstberg e.V. einen Anmeldestopp verhängen. Diesen Ansturm kann er auch als größter Potsdamer Kleingartenverein nicht bewältigen. Der Schwund von Kleingartenanlagen der Landeshauptstadt verschärfe die Lage enorm, begründete Udo Weberchen anhand der Anzahl der Kleingartenvereine.
Einmütig bestätigten die Stadtverordneten den wachsenden Bedarf der Landeshauptstadt an Kleingartenflächen. Die Naherholung auf der Scholle wird dem Urlaub z.B. in Mallorca heute immer häufiger vorgezogen. Ökologisch ist dieser Trend zu begrüßen. Da Potsdam als wachsende Landeshauptstadt bis 2030 die Einwohnerzahl von 200.000 erreichen wird, wird der Bedarf an Kleingärten noch steigen.
Die Stadtverordneten bekannten sich einmütig zu einem Ausbau der Kleingartenflächen. Dafür beschloss die Stadt Potsdam bereits, 600 Hektar Land zusätzlich zur Verfügung stellen. Nun müsse das auch umgesetzt werden, stellte Pete Heuer fest. Dabei räumten die Stadtpolitiker ein, dass bisher viel Kraft der Stadtverwaltung in den Erhalt von Kleingärten auf Flächen in Privatbesitz gesteckt werden musste. Gleichwohl sollen nun neue Flächen für Kleingärten erschlossen werden.
An dem Beispiel der verwahrlosenden, städtischen Kleingartenparzellen (Flurstück 509, neben dem Vereinsheim), die an den KGV Pfingstberg e.V. angrenzen, machte Udo Weberchen deutlich, dass die Stadt Potsdam auch hier endlich handeln müsse.
Die Stadtverordneten sagten eine Klärung der unbefriedigenden Situation zu.
Viele Emotionen löste im Publikum die Verkehrssituation in der Straße „Am Pfingstberg“ aus. Der viel und häufig schnell befahrende Schleichweg belästige die anliegenden Kleingärtner und gefährde besonders die Kinder. Die Straßenschilder für die „Spielstraße“ sind bis heute nicht aufgestellt. Großes Unverständnis wurde über die mangelnde Einbeziehung der Anlieger bei der Planung der Baumaßnahmen vorgebracht. Es wurden ernsthafte Zweifel an der Wirksamkeit der Maßnahme geäußert: Die Festlegung als Spielstraße garantiere weder ein Reduzierung des Schleichverkehrs, noch eine Verminderung des Tempos der passierenden Fahrzeuge. Die Stadtverordneten verwiesen auf den Kompromisscharakter der vorliegenden Lösung. Einerseits sollte der Verkehr beruhigt werden, anderseits sollte die Zufahrt für die Anwohner erhalten bleiben. Im Ergebnis der Diskussion wollen sich die Stadtverordneten für die Anbringung sogenannter Stolperschwellen einsetzen. Diese würde einerseits die Geschwindigkeit der Durchfahrenden zwangsweise reduzieren und die Zufahrt weiterhin gewährleisten. Frau Hüneke erläuterte, dass diese Maßnahme wegen einer möglichen Behinderung von Lastenrädern überprüft werden müsse. Herr Dr. Niekisch schlug alternativ Stolperstellen durch sogenannte Kissen vor, die Fahrrädern und Lastenrädern das Durchfahren erleichtern.
Konsterniert waren alle Teilnehmer über das Entfernen der die Anlieger schützenden Hecken der Straße. Weder die Notwendigkeit noch der Sinn der Maßnahme erschlossen sich. Die neu gebauten Verschwenkungen des Straßenverlaufes durch Bordsteine sollten wie in der Großen Weinmeisterstraße doch durch Blumenkübel verschönert werden, schlug Udo Weberchen vor. Der KGV Pfingstberg würde deren Pflege sicher übernehmen.
Abschließend wurde die Wasserknappheit thematisiert. Das Trinkwasser der Stadt Potsdam sei viel zu wertvoll und zu teuer, um als Gießwasser verbraucht zu werden. Einigkeit bestand darin, dass das Regenwasser so weit, als möglich zu nutzen. Darüber hinaus könne die Versorgung durch einen Brunnen geprüft werden. Die Stadtverordneten sagten zu, eine diesbezügliche Prüfung an die Stadtverwaltung zu beauftragen. Frau Otto verwies auf die Möglichkeit, dass Gartenvereine bis zu 30.000 EUR Fördermittel beantragen können.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die intensiven zwei Stunden Diskussion Lösungen für die angesprochenen Probleme aufzeigten. Ein großes Dankeschön gilt den Gästen für die sachliche Diskussion, die völlig auf Parteipolemik verzichteten. Die Veranstaltung wurde von unserem Vereinsmitglied Sven Bochow, Parzelle 223, hervorragend moderiert.
Schade war, dass nur 60 Zuschauer unseres KGV „Pfingstberg e.V. die Veranstaltung besuchten. Für eine erfolgreiche Wahrnehmung unserer Interessen als Kleingärtner sollten wir uns doch zahlenmäßig mehr ins Zeug legen!
Eckhard Lück , Parzelle 196 KGV Pfingstberg e.V.

